Männlich, über 30, Stirnglatze – schnell greift das Klischee, dass auch dein Vater unter Haarausfall litt und dass du vielleicht durch deinen Lebenswandel selbst Schuld an deiner Situation hast. Das muss nicht sein, denn es kursieren viele Mythen über Haarausfall, mit denen aufgeräumt werden sollte. Was ist eigentlich dran an den Mythen über Haarverlust und was kannst du gegen Haarausfall tun?

Mythen über Haarausfall – wie der Vater, so der Sohn

Ein weit verbreiteter Mythos ist, dass du eine Glatze oder Geheimratsecken bekommst, wenn auch dein Vater schon diese Anzeichen von Haarausfall hatte. Das kann zum Teil wahr sein. Erblich bedingter Haarausfall, die androgenetische Alopezie, macht sich bei Männern mit Glatze am Oberkopf, Stirnglatze und Geheimratsecken bemerkbar. Siehst du bei deinem Vater diese Anzeichen von Haarausfall, ist noch nicht gesagt, dass sie auch bei dir auftreten müssen, auch wenn 60 bis 80 Prozent aller Männer von erblich bedingtem Haarausfall betroffen sind.

Die Wahrheit: Auch deine Mutter kann einen erblich bedingten Haarausfall an dich weitergeben. Bei Frauen zeigt sich der erblich bedingte Haarverlust, wenn die Haare um den Mittelscheitel immer weniger werden, bis schließlich die Kopfhaut sichtbar wird.

Es ist nicht garantiert, dass du Haarausfall bekommst, weil deine Vater daran leidet.

Männer mit Haarausfall glänzen mit Potenz – ein Mythos

Ein Mythos ist weit verbreitet, dass Männer, die unter Haarausfall leiden, besonders potent sind. Männer, die von erblich bedingtem Haarausfall betroffen sind, haben Geheimratsecken, einen zurückweichenden Haaransatz oder eine Glatze. Häufig wächst bei diesen Männern der Bart stärker als bei Männern, die nicht unter erblich bedingtem Haarausfall leiden. Männer mit androgenetischer Alopezie können auch eine stärkere Körperbehaarung aufweisen als Männer ohne erblich bedingten Haarverlust. Der erblich bedingte Haarverlust wird durch Dihydrotestosteron verursacht, bei dem es sich um ein Abbauprodukt des männlichen Sexualhormons Testosteron handelt.

Dihydrotestosteron lagert sich an den Haarwurzeln an, schädigt sie und führt zum Haarausfall. Das ist die Wahrheit. Allerdings heißt das nicht, dass Männer mit erblich bedingtem Haarausfall potenter sind, da sie mehr Testosteron produzieren. Testosteron wird auch von Frauen produziert. Auch Frauen können unter erblich bedingtem Haarausfall leiden, was nicht heißt, dass diese Frauen schneller schwanger werden.

Der Testosteronspiegel ist bei Männern mit erblich bedingtem Haarverlust nicht höher als bei Männern, die dieses Problem nicht haben. Also sind diese Männer auch nicht potenter. Fakt ist, dass die Haarwurzeln dieser Männer empfindlicher gegenüber Dihydrotestosteron sind.

Mützen und Hüte führen zu Haarausfall – ein Mythos

Zu den Mythen über Haarverlust gehört, dass Männer, die häufig Mützen oder Hüte tragen, schneller eine Glatze bekommen als andere Männer. Die Rede ist davon, dass die Haare unter einer Mütze oder einem Hut ersticken. Das ist nicht wahr. Für die Bildung der Haarzellen und das Haarwachstum sind die Haarfollikel verantwortlich, die fest in der Kopfhaut verankert und nach außen hin nicht sichtbar sind. Die Haare wachsen also auch und fallen nicht aus, wenn du häufig eine Mütze trägst.

Die Wahrheit: Das Tragen von Mützen, Basecaps und Schutzhelmen kann zu einem mechanischen Haarausfall führen, wenn die Kopfbedeckung nicht gut sitzt. Durch das Auf- und Absetzen einer Mütze sowie bei der Reibung durch das Tragen brechen die Haare an den Rändern der Mütze ab. Sie werden stark strapaziert und fallen schließlich aus.

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In einer Studie der University Hospitals Cleveland wurden Gründe für Haarausfall anhand von Zwillingen untersucht. Mützen können die Blutzufuhr der Haarfolikel verringern und verursachen so einen Haarausfall. Dieser ist jedoch in der Regel nur vorübergehend.

Es handelt sich dabei um den mechanischen Haarausfall, der durch starke Beanspruchung der Haare entsteht. Dieses Problem gehört zu den Mythen über Haarausfall, wenn die Mütze, das Basecap oder der Schutzhelm gut sitzt. In diesem Fall kommt es nicht zu Reibung und auch nicht zu Haarausfall.

Solche Mythen über Haarverlust entstehen, da Männer, die bereits unter Glatze oder Stirnglatze leiden, häufiger eine Mütze tragen, um diesen Makel zu kaschieren. Nicht die Mütze, sondern der Haarausfall selbst führt zu diesem Mythos.

Ein weiterer Mythos: Häufiges Kämmen und Waschen der Haare führt zu Haarausfall

Wünschst du dir schönes, kräftiges Haar, kommt es auf die richtige Pflege an. Dazu gehört, dass du deine Haare häufig wäschst, um Schmutz, Fett und andere Verunreinigungen zu entfernen. Auch das Kämmen ist für gepflegtes Haar unerlässlich. Der Mythos besagt, dass du dein Haar schädigst, wenn du es häufig wäschst oder kämmst.

Fakt ist, dass die Haare, die du im Abfluss der Dusche oder im Kamm findest, bereits zum Ausfallen programmiert waren. Das hat nichts mit Duschen oder Kämmen zu tun.

Möchtest du feststellen, ob bei dir ein Haarausfall vorliegt, siehst du das nicht nur an kahlen Stellen und lichter werdendem Haar auf dem Kopf. Du kannst eine Sammelprobe machen. Ein Haarausfall liegt vor, wenn über einen längeren Zeitraum täglich mindestens 100 Haare ausfallen. Für die Sammelprobe sammelst du über einen Zeitraum von mindestens einer Woche täglich deine Haare aus

  • Kamm und Bürste
  • Abfluss der Dusche
  • Bettwäsche
  • Kleidung

und zählst sie.

Gegen Haarausfall ist kein Kraut gewachsen – ein Mythos

Zu den Mythen über Haarausfall gehört, dass du gegen Haarausfall nichts machen kannst. Bemerkst du den Haarausfall rechtzeitig, kannst du sogar wieder zu vollerem Haar gelangen, wenn es sich nicht gerade um eine Form des vernarbenden Haarausfalls handelt, bei dem die Haare nicht wieder nachwachsen. Du solltest einen Hautarzt konsultieren, der durch eine Blutuntersuchung sowie Untersuchungen von Kopfhaut und Haaren die Ursache des Haarausfalls feststellen kann.

Wird die Ursache behandelt, kann der Haarausfall gestoppt oder verzögert werden. Es ist sogar möglich, den Haarverlust rückgängig zu machen, wenn die Haarfollikel noch intakt sind. Mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung mit vielen Vitaminen und Mineralstoffen, aber auch mit verschiedenen alternativen Behandlungen wie

  • Sauerstoff-Therapie
  • Softlaser-Therapie
  • Microneedling
  • PRP-Behandlung
  • Mesohairtherapie

können die Haarfollikel zur Bildung neuer Haare angeregt werden, wenn sie noch intakt sind. Du kannst es auch mit dem Haarwuchsmittel Minoxidil versuchen, das ursprünglich innerlich zur Behandlung von Bluthochdruck verwendet wurde. Für die äußere Anwendung ist Minoxidil als Lösung oder Schaum verfügbar. Das Haarwuchsmittel wird auf die Kopfhaut aufgetragen und kann durch eine verbesserte Durchblutung der Kopfhaut das Haarwachstum fördern. Minoxidil ist jedoch nicht ohne Nebenwirkungen, beispielsweise trockene Kopfhaut, Juckreiz oder Schuppenbildung.

Fazit: Mythen über Haarverlust sind nur die halbe Wahrheit

Viele Mythen über Haarausfall sind im Umlauf und sind nur teilweise wahr. Ein erblich bedingter Haarausfall kann auch über die Mutter vererbt werden. Männer, die unter Haarausfall leiden, sind nicht potenter als andere Männer. Häufiges Waschen und Kämmen der Haare verursacht keinen Haarausfall, genauso wie Mützen keinen Haarausfall verursachen müssen, wenn sie gut sitzen. Zum Glück ist ein Haarausfall mit der entsprechenden Behandlung umkehrbar, wenn er rechtzeitig bemerkt wird und die Haarwurzeln noch intakt sind. Auf gesunde Weise können die Haarwurzeln, wenn sie noch nicht abgestorben sind, zur Bildung neuer Haare stimuliert werden.

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